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IRONMAN Wettkampfbericht (Gefühlsbericht) online
Geschrieben von Ralf Preissl

  Ironman Hawaii

 

Hawaii

IRONMAN Wettkampfbericht und Bilder vom Hawaii Trip

 

Mein Trip nach Hawaii und Maui <hier gehts zum Bericht> 

Wettkampfbilder Ironman Hawaii <hier> online

HawaiiBilder vom Ironman Hawaii sind in der <Galerie> online                             

<hier zum Zieleinlauf Video>

  

Rennbericht Ironman Hawaii

Raceday:

Den Wecker stellte ich auf 3:45Uhr, doch wenige Minuten vorher war ich bereits wach (so wie immer, meine innere Uhr ist meist ein paar Minuten früher dran). Frühstück im Hotel gab es bei uns ja erst ab halb 7 also aß ich etwas Hefezopf und ne Banane. Ausserdem trank ich 2 Flaschen Hypo wie von Caroline Rauscher empfohlen. Dann machten wir uns auf die Socken zum Bodymarking. Gut das unser Hotel so zentral lag, also nur die paar Meter zu Fuß ins King Kamahamaha Hotel vor und sich dort beschriften lassen. Mit übergrossen Stempeln wurde hier die Startnummer auf den Oberarm aufgebracht. Dort war ich einer der Ersten und dann auch einer der Ersten in der Wechselzone. Hier riet man uns möglichst viel Zeit einzuplanen da man einen offiziellen Helfer benötigt um in der Wechselzone zu dem eigenen Rad zu gelangen. Dieser passte dann (anscheinend) auf das man nichts Verbotenes (an anderen Rädern) unternimmt! Hier brachte ich meine eisgekühlten Radflaschen ans Rad und bemerkte dabei das ich mir über Nacht einen schleichenden Platten eingefangen hatte. Anscheinend bei meiner letzten Testfahrt gestern. Eine kleine Menge Restluft war ja noch im Pneu also beschloss ich auf gut 9 Bar aufzupumpen und mit Gottes Vertrauen ohne Schlauchwechel durchzukommen. Vorne weg: Ich kam ohne Radpanne durch.

Dann war es gerade mal 5Uhr und ich ging wieder zurück ins Hotel, hier genoss ich in Ruhe 2 Tassen Kaffee , aktivierte nochmals meine Rumpfmuskulatur und kremte mich mit 85 LSF ein. Auf der Sonnencreme von Banana Boat stand "extra Wasserresistent". Darauf wollte ich vertrauen und mich nach dem Schwimmen nicht mehr von den Helfern in der Wechselzone eincremen lassen (was sich später als Fehler herausstellte). Dann ab in die Wettkampfklamotten und um kurz nach 6Uhr vor zum Start – mittlerweile wurde es auch langsam hell.

kurz vor Start

Pünktlich um 6.45 Uhr nach dem Start der Profiathleten durften wir Agegrouper ins Wasser. Beim Reingehen über die Treppe am Pier wurden Sicherheitsnadeln verteilt, diese nahm ich an und befestigte nochmals zusätzlich meinen Timingchip am Fußgelenk. Zufällig stand ich neben Gerhard (Dobmeier), er ist schon seit 1987 dabei und hat schon einiges hier erlebt. Er gab mir den Tip wirklich ganz links außen zu starten, vorausgesetzt man will den Schlägereien auf der Schwimmstrecke (also nicht nur beim Start wie bei den "normalen" Ironmanrennen üblich) entgehen. Also rein ins Wasser und ab nach ganz links außen. Wir befanden uns schon außerhalb des offiziellen Schwimmbereiches. Dieser war mit einer Bojenschnur bis ca. 500m Richtung Wendepunkt abgetrennt. Somit konnten wir erst nach diesen 500m zur original Schwimmstrecke hin Schwimmen und mußten nat. einen dementsprechenden Umweg in Kauf nehmen. Was es aber aufgrund des wirklich ruhigen und angenehmen Schwimmens wert war. Aber zum Detail: Die letzten Sekunden vor dem Start sind hier genauso hektisch wie anderswo. Die Kampfrichter versuchten uns auf ihren Surfbrettern im Startbereich zurückzuhalten – aber die Menge "scharrte" und wollte nach vorne. Ich selbst befand mich in der ersten Reihe, was aber keine Kunst darstellte denn links und rechts neben mir befanden sich ja nur wenige Athleten – darunter auch Gerhard. Seit ich 2002 Triathlon betreibe stellte ich mir den Schwimmstart und das Wetter an diesem Tag vor: Die Sonne geht grad hinter dem Hulalai Berg auf, der Himmel ist wolkenlos, das Wasser warm, fast zu warm und kristalklar (mit Fischen unter den Füssen und die Sicht unter der Wasseroberfläche fast unendlich), die Luft windstill, der Pazifik wellenlos und ich erwarte einen der aufregendsten sportlichen Tage meines Lebens. Und genau so war es!!!! Nur von den Wellen hätte ich keine Angst haben müssen, denn im laufe der Wettkampfvorwoche stellte sich heraus das ich bei hohen Wellen besser Schwimme als die meisten anderen. Aber heute sollte die Wasseroberfläche glatt sein.

Schwimmstart IM Hawaii 2009

Dann der Startschuß: Ich Schwamm die ersten paar Hundert Meter gerade nach vorne, immer ganz alleine. Nur 1 – 2 weitere Athleten sah ich noch weiter links von mir. Dann versuchte ich mich mal zu orientieren und bemerkte die grosse Menschentraube ziemlich weit rechts von mir. Also schwamm ich etwas näher an das Feld heran, vermied aber Körperkontakt (der Pazifik ist ja in jede Richtung min. 3500km breit, was muß man sich da prügeln). Ab und zu orientierte ich mich nach vorne, konnte aber das Wendebojenboot nie erkennen. Irgendwann bemerkte ich eine ziemlich große rote Boje etwas weiter vorne, das war eine der Wendebojen. Diese umschwamm mich in rel. Großen Respektabstand, denn hier drängte sich das Feld wieder zusammen - was mit augenscheinlichem Gehaue verbunden war. Somit umschwamm ich die Boje ganz links außen, nur ein Schwimmer war noch weiter draußen als ich, später stellte sich heraus das es sich um Gerhard Dobmeier handelte und wir das ganze Rennen mehr oder weniger miteinander bestritten. Beim Blick auf die Uhr laß ich 37min. (und das bei nicht mal der Hälfte der Schwimmstrecke !!!!), lies mich aber nicht verunsichern denn ich fühlte mich ja prächtig und wußte ja schon von den letzten Tage das landige Strömung herrschte. Die zweite Wendeboje umschwamm ich ebenfalls mit rel. großen Abstand (es galt ja ein Rechteck zu Schwimmen) und dann ging es an den Rückweg. Wieder ganz links vom Feld schwamm ich zurück dem Pier entgegen. Hier stieg ich mit 1:06h aus dem Wasser, fühlte ich suuuper, energiegeladen und freute mich auf den Tag (Durchschnittspuls 129). Ein Gefühl fast so wie bei meinen ersten Ironman in Roth 2002.

Dann nahm ich meinen Wechselbeutel auf und rannte ins Wechselzelt (Umziehen ist in den USA nur hier erlaubt): Schwimmanzug aus – Radtrikot an und ab zum Radstellplatz laufen. Hier fühlten sich meine Beine (leider zum letzten mal) gut an und ich war bereit für den großen Tag.

Die ersten 10km der Radstrecke führten durch Kona hindurch, mit vielen Kurven, der Palani rauf und runter und einem Wendepunkt. Diesen Part plante ich sowieso als "einkurbel Teil" ein. Also easy anfangen, Rhythmus finden und den Körper Zeit geben sich auf die neue Disziplin einzustellen. Meine Handschuhe hatte ich am Rad befestigt und nutze diese Phase sie anzuziehen. Doch leider verspürte ich hier schon ein leichtes Ziehen unter der rechten Pobacke. Ein Indikator auf ein verschobenes ISG bzw. meiner Probleme mit der Lendenwirbelsäule. Doch darüber machte ich mir keinen Kopf, so früh im Rennen kann das schon wieder weggehen, vor allem wenn es dann im Laufe des Tages heisser wird. Und genau das war jetzt meine größte Sorge: Hatte ich den Vorderreifen zu sehr aufgepumpt? Gut 9 Bar bei noch dunkler Nacht!? Jetzt stand die Sonne am Himmel, der schwarze Asphalt erwärmte sich und die 9 Bar konnten dann leicht zu viel werden!?! So blieb ich am Wendepunkt in Kona stehen und überprüfte den Druck, lies etwas ab und kurbelte weiter. Außerdem beschloß ich an den Verpflegungsstationen meinen Vorderreifen mit Eiswasser zu kühlen. Und so ging es von Kona raus, über die Palani zum King Kamehameha Highway rauf und durch die Lavawürste nach Hawi. Schön langsam wurden die Schmerzen im hinteren Bereich größer und ich probierte durch Positionswechsel (Aeropos tief, Aeropos hoch, Oberlenkerpos) eine Lockerung herbeizuführen – was leider nicht gelang. Das fahren auf Flachpassagen verursachte die heftigsten Schmerzen und so war ich froh nach Weimea endlich den ca. 20 Meilen langen Ansteig Richtung Hawi in Angriff nehmen zu können. Leider ist das ja kein Richtiger Anstieg, nur ein "Zieher" und aufgrund des sehr, sehr heftigen Gegenwindes fährt man mit rel. geringer Geschwindigkeit (Gott sein Dank hatte ich keinen Tacho) – also eher eine Passage die man in Aeroposition nehmen sollte. Kurz nach dem Wendepunkt in Hawi gab es die Eigenverpflegung, diese wurde eigentlich gereicht doch meine war nicht da (wie bei Andreas Raelert). Doch aufgrund meiner mittlerweile recht heftigen Rückenschmerzen beschloß ich mich abzusteigen und zu warten. Währende die Helfer meinen Eigenverpflegungsbeutel suchten nutze ich die Zeit um meine Gesäß- und Rückenmuskeln zu dehnen. Dann irgendwann war mein Beutel auch da und es ging die 20 Meilen mit diesmal starkem Gegenwind zurück nach Weimea. Meine Schmerzen wurden nicht besser und auch diesen Bergabteil konnte ich nicht in Aeropos fahren. Dann ging es langsam los mit der Gluthitze: Ab Waimea geht es nur noch gerade aus, am Highway entlang durch die schwarze Lavawüste. Der Wind heftig von vorne und die Geschwindigkeit in Oberlenkerposition dementsprechend gering. Immer wieder nahm ich an den reichlich vorhandenen Verpflegunggstationen Wasser auf und kühlte meinen Vorderreifen. Vielleicht wäre es gar nicht nötig gewesen, aber ich wollte keinen Reifenplatzer und Unfall riskieren. Wie eine Oase kam mir dann Kona entgegen. Auf den letzten Metern auf dem Highway liefen bereits die ersten Pros, ich sah Faris wie er noch an Pos 4 gelegen Richtung Energie Lap lief und feuerte ihn von der anderen Straßenseite aus lautstark an. Dann rollte ich den letzten Kilometer die Palaniroad hinunter in die Wechselzone. Mit 143 Durchschittpuls für die erste Hälfte und 138 für die Zweite Hälfte der Radstrecke lag ich weit unter meinen Grenzen (156 aerobe Schwelle, 175 anaerobe und 200 max Puls). Aber es ist jetzt nicht so das ich mit 5:40h Radzeit total locker in die 2. Wechselzone eingebogen bin. Und der Puls ist ja nur deshalb so gering weil ich mich aufgrund der muskulären Blockaden gar nicht aktivieren konnte. Doch auch mit blockierten Beinen zu fahren erfordert sehr viel Kraft und auch mentale Stärke. Doch bei meiner ersten Teilnahme wollte ja unbedingt ins Ziel, egal wie. Also die Pulswerte und die erbrachte Leistung schauen locker aus, aber ich war echt schon ganz schön angeschlagen! Zurück zur Wechselzone: Das Rad wurde abgenommen und ich wollte zu meinem Wechselplatz laufen – doch, ich konnte nicht laufen – musste zum Wechselzelt gehen. Komplette Blockade. Dementsprechend viel Zeit brauchte ich in der Wechselzone, hier zog ich meine Radklamotten aus und eine leichte Laufshort an.

Nach gut 5min. Wechselzeit machte ich mich auf den Weg den Marathon zu wandern. Nicht nur die Schmerzen im Po und Oberschenkel Rückseite vom Rücken ausgehend verhinderten einen Laufstil, nein auch mein Körper war von den nun schon 7 Stunden dauernden Wettkampf gezeichnet. Ich, der immer mit Kopfbedekung unterwegs ist weil ich jegliche Art von Zugluft und Kälte nicht abhaben kann ging von Aid Station zu Aid Station und füllte mein Käppi mit Eiswürfel, auch mein Trikot – wo halt was rein ging. Das Eis hielt max, bis zur nächsten Verfplegungsstation, also 1,6km.... Ziemlich am Anfang der Laufstrecke kam mir auch Bauer Sebastian entgegen (also 1h vor mir liegend). Ich ging auf seine Strassenseite rüber und sagte er solle weiterhin richtig Gas geben und im Ziel nicht auf mich warten, er soll ruhig schon mal ins Hotel zurückgehen, denn bei mir dauert es länger (noch 5-6 Stunden hab ich zu ihm wirklich zugerufen). So schön war es im Training bei den überlangen Läufen, oder nach langen Radbelastungen noch Dauerläufe im Wohlfühltempo (4.20min./km) laufen zu können. Und jetzt schleppte ich mich über den Alii Drive. Das Finish sah ich zwar nicht gefährdet, hatte ich ja 10h Zeit für den Marathon doch wäre ich schon gerne etwas schneller gewesen. Im Bereich von Sup 10 bis Daylight finish hab ich mich vor dem Rennen schon gesehen und in den letzten Tagen, wo mir das Schwimmen auch bei hohen Wellen eher noch mehr entgegen kam als mich behinderte dachte ich mehr an die 10h Marke als an den Zieleinlauf bei Sonnenschein. Doch beim Wandern am Alii drive wurde ich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeworfen. Als realistisch sah ich heut morgen noch 1:10h Schwimmen, 5:20h Radfahren und 3:30h Laufen an – also 10h, doch nach schon 20min. länger auf dem Rad, dazu noch reichlich kaputtem Körper (Rücken) und nun gehend schon bei Beginn der Laufstrecke war für mich jetzt klar heute das volle Programm durchzumachen. Was heißt den Wettkampf bei Dunkelheit zu beenden (also ab 11:06h Rennzeit, denn um 18.06Uhr ist Sonnenuntergang). Dazu muß man Leuchtreflektoren an der Kleidung, am Cäppi und an den Schuhen anbringen und nachdem es Finster wird Leuchtstäbe aufnehmen und sich diese umhängen. Also die Leuchtreflektoren hatte ich mir ja heute morgen schon sicherheitshalber angebracht, aber so wie es nun aussah kam ich wohl auch in den Genuß mit Leuchtstäben zu laufen. Und als ich so vor mich hinging, NUR noch das Finishen vor Augen hatte, die Zeit / das Daylight schon abgeschrieben hatte – und auf einmal konnte ich wieder laufen. Vielleicht durch die nun aufrechte Position, die Wärme oder was weis ich – wahrscheinlich hat mir Gott geholfen. Und so lief ich durch bis zur Wende ganz hinten am Alii drive und dann wieder zurück. Zumindest bis Palani wollte ich laufend zurücklegen. Immer nach jeder Meile an den Verpflegungen die Kleidung und das Cäppi mit Eiswürfel volladend kam ich tatsächlich laufend zur Palani Rd. Diese ging ich nat. hoch, denn aufgrund der Steilheit war ich ja eben so schnell wie die laufenden Mitstreiter. Oben angekommen ging es dann vorbei am Hannes Motivationspunkt (Hier stand Hannes mit ner Crew, Musik und Megaphon um alle in den A... zu treten - Photos folgen) und raus auf den Highway. Dies viel mir dann von Schritt zu Schritt leichter und so kam es das ich nach genau der Hälfte, also nach 13 Meilen auf Dobmeier Gerhard auflief und ihn (und auch mich selbst) motivierte das wir ja jetzt über 2:10h für den restlichen Halbmarathon Zeit hatten um noch ein Daylight zu schaffen. Um es kurz zu machen: Wir beide schafften es dann auch.

Marathon: KM 40 - kurz vor dem Ziel

Mir ging es nun von Meile zu Meile besser. Die Hitze im Glutofen der Lavawüste war durch die Eiswürfeltaktik gut zu verkraften und vor allem als Einäugiger unter den Blinden (die letzten 10km mußten schon sehr viele Gehpausen einlegen) machte ich sogar noch einige Plazierungen gut. Bei km 40 kam ich auch wieder am Hannes Motivationspoint vorbei, hier ein kurzes Photo (wird nachgereicht) und dann ab die Palaniroad hinunter. Und so kam es das ich mit rel. flotten Laufschritt noch bei Sonnenschein in den Alii Drive einbog, dabei wollte ich keinen Zielspurt hinlegen sondern mich freilaufen um ein schönes Zielphoto zu haben (was aber nicht gelang). Zielphoto hin oder her – die Erinnerung ist auch so gespeichert und einzigartig. So wie wenn man seinen zweiten Ironman macht, dann ist der Zieleinlauf auch was ganz normales – und so war es auf Hawaii. Einzigartig – einfach unbeschreiblich.

YOU ARE AN IRONMAN

klang es durch die Lautsprecher

Die Daten:

Schwimmen: 1:06h

Radfahren: 5:40h

Laufen: 3:44h

Gesamt: 10:39h

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